„Klima, Klima“ schallt’s aus dem Netz (2019)

Bill Putnam, amerikanischer Toningenieur und Musikproduzent, war laut Wikipedia bereits 1947 Erfinder der analogen Echokammer. Ein Originalgeräusch wurde dabei über einen Lautsprecher in einen großen Raum übertragen. Der Hall in diesem Raum wurde von einem Mikrofon aufgenommen und unter das Original gemischt. Diese Signalverfremdung wirkte harmonischer als der Originalklang, sie hörte sich einfach besser an.

Die digitalen Echokammern im Jahr 2019 funktionieren baugleich: Der Nachhall von Posts, Tweets und Kommentaren hängt immer von Größe und Beschaffenheit des Raumes ab, in dem sie geteilt werden. Dabei gilt: Derjenige, der den grössten und längsten hat, bekommt das meiste Feedback.

Den längsten hatte 2019 die AfD. Besonders den längsten Balken in einer Statistik der Friedrich-Ebert-Stiftung: Mit 460.500 Followern bei Facebook führten die Rechtspopulisten weit vor der CDU (186.208) und der SPD (190.452) während des Europawahlkampfs. 48.733 Youtube-Abbonnenten – die Union und SPD haben zusammen nur knapp 17.000! – haben natürlich enormes Potenzial. Wer hier immer noch an die Neutralität der sozialen Medien glaubt, hat den Knall nicht gehört. Effekthascherei und moderne politische Öffentlichkeitsarbeit finden nämlich genau dort statt. Paradoxerweise versteht das die Partei von vorgestern am besten. Und wer teilt, verstärkt das Signal. Am erfolgreichsten beim Thema Klima. Wandel hin oder her – Debatten und Fake News überhitzen sich seit Monaten, egal aus welcher Filterblase der Pegel gerade überschwappt.

Dabei wäre alles so einfach, um die Interferenzen in der Gesellschaft zu vermeiden: schalltote Räume. Dort schwingt ein Signal ganz unverfälscht. Schalltote Räume sind wie wissenschaftliche Studien – für viele unangenehm und vom Sound her sehr trocken. Bill Putnam hätte hier wohl auch lieber mit Effekten kaschiert.

(Foto aus dem Archiv: HoGeSa-Demo am 26.10.2014 in Köln)

München ist bunt (2010/2019)

Am 08. Mai 2010 wurde ein Nazi-Aufmarsch in Münchner Stadtteil Fürstenried-West von über 4.500 engagierten Bürgern blockiert. Mitveranstalter der Blockade war der damals neu eingetragene Verein München ist bunt!. Den friedlichen Protest hatte ich 2010 mit meiner Kamera festgehalten, woraus ein kleiner Clip entstand, den ich dem Verein spendete.

München ist bunt! ist seit Jahren aus der antirassistischen Bürgerbewegung Münchens nicht mehr wegzudenken; etliche Demonstrationen, Podien, Petitionen und Proteste haben sie initiiert.

Neun Jahre später, am 14. Mai 2019, überreichte Oberbürgermeister Dieter Reiter den Münchner Bürgerpreis für Demokratie – gegen Vergessen an die Vereinsvorsitzende Micky Wenngatz. Herzlichen Glückwunsch Micky, dem Team und danke für euer Engagement seit nun fast 10 Jahren.

Eine Momentaufnahme vom 08. Mai 2010 / 16:9 / Stereo / 2010 / 1 Min. / deutsch

www.muenchen-ist-bunt.de

Paesaggi della Memoria – Auf den Spuren der italienischen Partisanen (2018)

Vor 75 Jahren wurde Italien von Deutschland besetzt. Viele Italiener leisteten Widerstand. Was fühlten die italienischen Widerstandskämpfer und wofür kämpften sie genau? Fragen, deren Antworten weit oben in den Bergen des nördlichen Apennins zu finden sind. Die Begegnungen mit Zeitzeugen und die Eindrücke vor Ort lassen eine Schülergruppe des Berliner Schiller-Gymnasiums nah an den Emotionen vergangener Tage wandern – auf den Spuren der italienischen Partisanen. Und schnell wird klar: Die Vergangenheit ist gegenwärtiger denn je, wenn auch in einem anderen Kontext.

Regie, Kamera, Montage: Christopher Dillig
Produktion: VISION&TRANSFER | media for visionaries
Im Auftrag von: Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin
In Kooperation mit: Museo della Deportazione, Prato / Istituto Istoreco, Reggio Emilia

Dokumentarfilm / 16:9 / Stereo / 2018 / 30 Min. / deutsch, italienisch OmU (DE)

www.ghwk.de (Auftraggeber)
www.visionandtransfer.com (Ausführende Produktion)

Heimat am Rande (2018) مهمشون

Noman ist 18, er lebt in dem arabischen Dorf Wade el Neam in der israelischen Halbwüste. Der Staat Israel erkennt dieses, ebenso wie weitere 39 Dörfer, nicht an. Über 100.000 Menschen haben so keinen Zugang zu Wasser, Strom, Straßen oder Bildung.
Gamileh aus Arrabeh in Nordisrael hat ihren 17-jährigen Sohn Asiel im Jahr 2000 verloren. Als Aktivist der Friedensorganisation Seeds of Peace wurde er während einer Demonstration vor ihren eigenen Augen von israelischen Polizisten erschossen.
Taisier aus Akka am Mittelmeer ist mit einer Palästinenserin aus dem Westjordanland verheiratet. Obwohl sie eine Aufenthaltserlaubnis für Israel hat, besitzt sie in Israel kaum Rechte. Dabei wollen sie nur eines: Ein würdevolles Leben mit ihren gemeinsamen Kindern führen.
 
Der Filmemacher Wisam Zureik – selbst in Israel geborener Palästinenser – bietet mit seinem Film einen tiefen, aufschlussreichen und anregenden Einblick in die Lebensumstände seiner Protagonisten. Der Film eröffnet einen Blickwinkel auf die Situation der palästinensischen Minderheit in Israel und erzählt von Marginalisierung, Gerechtigkeit, Trauer, Liebe, Wut und Hoffnung.

Autor, Regie: Wisam Zureik
Kamera, Ton: Christopher Dillig
Schnitt: Markus Belde
Musik: Safi Sweed
Produktion: Zinnober Film GmbH, Aachen
Gefördert von: Film- und Medienstiftung NRW, Brot für die Welt, Rosa-Luxemburg-Stiftung und Crowdfunding

Kinodokumentarfilm / 1:2,35 / Stereo / 2018 / 52 Min. / arabisch OmU (DE)

www.heimatamrande.de

Erdogone? (2014/2017)

Köln am 24. Mai 2014. Während Recep Tayyip Erdogan seine Landsleute in der Lanxess-Arena auf der rechten Seite des Rheins besucht, tobt linksrheinisch ein Sturm aus 30.000 wütenden Protestlern.

Spätestens drei Jahre später ist diese Kritik berechtigt. Der türkische Präsident Erdogan verwandelt am 16. April 2017 die Türkei in ein präsidiales System, begründet durch einen gescheiterten Putschversuch des Militärs, motiviert durch ein Flüchtlingsabkommen mit Europa und illusioniert von einem patriotisch-religiösem Nationalismus – und es war nur eine Frage der Zeit, wann er zugleich den Parteivorsitz der AKP wieder innehat. Widerstand ist unerwünscht und wird gnadenlos verfolgt.

(Fotos: Köln, 24.05.2014 und 16.04.2017)

Great Again (2017)

Der amerikanische Herbst begann am 09. Oktober 2016. Ein narzistischer Demagoge und Politpopulist wurde Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Konsequenz aus einer nicht stattgefundenen US-amerikanischen Sozialpolitik hat nun ein Gesicht.

In seiner Rede zur Lage der Nation am 1. März 2017 predigte Trump die „Reanimation des nationalen Wohlstands“, populistisch und gutmenschlich. Seine neue TV-Show funktionierte, die Einschaltquoten waren enorm. Geladene Gäste der Fernsehsendung waren ein krankes Mädchen, eine aufstrebende Afroamerikanerin, ein Drogenkartellopfer sowie eine trauernde Kriegerwitwe. Die Tränen flossen, die Hände applaudierten. Selbst einem Teil der US-Demokraten fiel am Ende nicht mehr auf, dass sie den Beifall teilten, den sie anfangs noch mit ihren weißen Klamotten – als Zeichen des Widerstands – verweigerten. Eine tolle Dramaturgie, trotz Überlänge. Oder, um es in Donald Trumps Worten zu sagen:
 
A new chapter of american greatness!
 
Alle Welt schaut auf Donald Trump, because America is great again.

(Foto: ARD vom 01.03.2017)

Bunte Blumen (2016) زهور ملونة

Ein Kurzfilm über Lazgen Hasano. Ein syrischer Flüchtling in Paderborn. Ein ehemaliger Häftling im Gefängnis des Assad Regimes. Ein Liebender, der seine Frau seit drei Jahren nicht mehr gesehen hat.

Deutscher Menschenrechtsfilmpreis 2016, Nürnberg (nominiert)

Autor, Regie, Schnitt: Wisam Zureik
Kamera, Ton: Christopher Dillig
Produktion: Vielfalt Film, Aachen

Kurzdokumentarfilm / HD / 1:1,78 / Stereo / 2016 / 18 Min. / arabisch OmU (DE)

www.bunteblumen-film.de

Sie nannten ihn Spencer (2016)

Sie nannten ihn Spencer ist ein Roadmovie über zwei durchgeknallte Typen, auf der Suche nach ihrem Idol und Mentor Bud Spencer a.k.a. Carlo Pedersoli. Ein klassisches Format, welches dennoch durch Sympathie und Mut seiner Protagonisten überzeugt und uns motiviert, immer das zu tun, was wir selbst auch wollen.

Buch: Karl-Martin Pold, Michael Gizicki
Regie: Karl-Martin Pold
Kamera: Christopher Dillig, Serafin Spitzer, Jens Fischer
Schnitt: Thomas Vondrak
Produktion: EPO-Film, Departures Film, Buddy Lane Productions

Kinodokumentarfilm / HD / 1:1,78 / Stereo / 2017 / 122 Min.

www.sienanntenihnspencer.com

Weitsicht (2016)

Weit hinter den südlichen Aussengrenzen Deutschlands liegen Länder, die wir nicht wirklich kennen. Eine Zuwanderung von dort bereichert uns an Ideen, Kultur und Menschlichkeit. Die Herausforderungen sind groß – die Chancen näher als jemals zuvor.

Aber der Praxistest unserer abendländischen Moralkonventionen und unserem humanistischen Wertebewusstsein verläuft im Jahre 2016 eher „grenzwertig“. Entgegen dem Gedanken eines weltoffenen Europas formulieren nationalistische Gemüter ihren Widerstand gegen Einwanderung, in Form von neuen Parteien, Verbänden und Bürgerinitiativen – mit großem Erfolg. Die Angst um den Verlust von Sicherheiten und die Angst davor, in einer globalisierten Welt eigene Privilegien zu verlieren, lässt die Menschenwürde plötzlich nur noch als naives Dogma träumender Linksintellektueller im Dunst der Debatten verblassen. Ein bewährtes Ordnungssystem wird herausgefordert, indem fremde Elemente den Algorithmus in Frage stellen – zum Missfallen jener, die immer schon von der alten Ordnung profitierten und denen unter den neuen Vorzeichen die Lösungen fehlen. Aus dieser Blöse entsteht ein Frust, welcher oft reaktionär argumentiert. Dabei werden Ursachen und Gründe für das Zuwanderungsidyll und den Magneten Europa selten reflektiert. Ein tieferer Blick in die Weite der Zusammenhänge – welche uns doch überhaupt erst das Lied vom Wohlstand singen lassen – ist wünschenswert und angebracht.

(Foto aus dem Archiv: Italien, 2011)

KLEINfilme #1 bis #5 (2015)

KLEINfilme sind kleine Filme. Sie sind keine Kurzfilme, dafür wäre keine Zeit. KLEINfilme sind kreativ, komisch und kritisch. Immer innerhalb des gesellschaftlichen Diskurses. Sie sind einfach, nie besser und immer anders.


KLEINfilm #5 – Nachkriegsbauten in der bunten Stadt
Von Gräben und Grenzen

Idee und Umsetzung: Christopher Dillig
HD / 1:1,78 / Stereo / 2015


KLEINfilm #4 – Freunde der Demokratie
Von Amerika und Anderen

Idee und Umsetzung: Christopher Dillig
HD / 1:1,78 / Stereo / 2015


KLEINfilm #3 – Mahmud der Mehlwurm
Von Medien und Meinungen

Idee und Umsetzung: Christopher Dillig
HD / 1:1,78 / Stereo / 2015


KLEINfilm #2 – Unten gegen Oben
Von Kleinen und Keinem

Idee und Umsetzung: Christopher Dillig
HD / 1:1,78 / Stereo / 2015


KLEINfilm #1 – Couch Potato
Von Wut und Wohlstand

Idee und Umsetzung: Christopher Dillig
HD / 1:1,78 / Stereo / 2015


Der einsame Pendler (2015)

Er pendelt zwischen Sicherheit und Freiheit, zwischen gesellschaftlicher Pflicht und Selbstverwirklichung.

„Alles nur wegen dem Dispo! Aber meine Kinder sollen es mal besser haben“, erwidert er seiner Individualität, ehe er merkt, dass dieser Satz schon die Generation seiner Eltern prägte. Der Leitzins sinkt, die Blasen steigen. Was er davon hat? Zwei weitere Vertragsjahre der schwelenden Ungewissheit innerhalb seines Jobs, indem er jeden Tag freundlich, flexibel und belastbar mitsamt aller Kollegen und Kolleginnen geistig dahinstagniert.

Die sinngestaltenden Perspektiven im postkapitalistischen Zeitalter sind eher dürftig. Eine junge Generation degeneriert in Richtung Zukunft. Gewollt, bewusst und radikal für Veränderung stehend, steht man derzeit schnell in der Kreide, mit der man sich einst das Leben lebenswerter zu malen versuchte.

Der motivierte Kreative passt sich an, am Ende erliegt er der Erschöpfung. Verursacht von Leistungsdruck und obligatorischen gesellschaftlichen Erwartungen. Bis dahin aber pendelt er, weiter und weiter.

(Foto: Berlin, 2015)