Transparente Gesellschaft (2019)

Das Transparent, auch wenn es technisch nicht mehr der Leuchtschrift des frühen 20. Jahrhunderts entspricht, verrät viel über die Ansichten und Sehnsüchte seiner Initiatoren. Und immer auch über die Zeit, aus der es kommt. Nonverbal – mal präzise, mal ausführlich – lässt es uns die Gedanken jener lesen und lauschen, welche schweigend dahinter, darunter, darüber und manchmal auch daneben stehen.

Auf politischen Demonstrationen entsteht oft ein verdichtetes Meinungsbild. Ideal für Bildberichterstatter, aber auch bereichernd für den Diskurs in einer demokratischen Gesellschaft. Ein Hoch auf die Meinungsfreiheit! Denn ohne sie würde so manche kreative Errungenschaft selbstgebastelter Gedankenblitze niemals ans Tageslicht gelangen. Und dennoch: Befasst man sich mit Transparenten, so entsprechen Gestaltung, Darstellung und Anwendung oft ähnlicher Muster:

Das konkrete Transparent

Kurz und knapp. Inhaltlich präzise, wenn auch oft argumentativ verkürzt. Die dunkle Lederjacke in diesem Beispiel war wohl Teil der bedingungslosen und radikalen Artikulation. Hintergrund dieser Aufnahme vom 29. Mai 2015 war nicht nur das blühende Gestrüpp, sondern auch der Einsatz von Kampfdrohnen, welche das US-Militär mutmaßlich von seiner deutschen Basis aus, nämlich dem idyllischen rheinland-pfälzischen Ramstein-Miesenbach, steuert – quasi direkt hinter dem Gestrüpp. Landschaftlich eigentlich ein ideales Umfeld für weiße Tauben, möchte man meinen. Aber eben auch für konkrete Transparente.

Das ausführliche Transparent

Erklärend im Inhalt, individuell in seiner Form. Trotz aller Bemühungen: Die Wahrscheinlichkeit, dass es dieses Transparent eines kurdisch-alevitischen Demonstranten in die Tagesschau vom 24. Mai 2014 geschafft hätte, war gering. Unabhängig vom Argumentationsstil. Umso interessanter für berichterstattende Fotografen in Köln, die auf privaten Webseiten Kurzbildessays schreiben. Denn es ist grundsätzlich festzustellen, dass sich der Initiator schon länger mit seinem Thema befasst und ihm viel daran liegt, möglichst viel darüber zu kommunizieren. Auch wenn er sozialpolitisch schwer einzuordnen ist. Einsamkeit ist dann eben auch Gemeinsamkeit. Hier finden sich Kurzbildessayisten wieder und fühlen obligatorisch mit.

Das symbolische Transparent

Offensichtlich und selbsterklärend. Während Recep Tayyip Erdogan am 24. Mai 2014 in der Kölner Lanxess-Arena Wahlkampf machte, erteilte ihm auf der anderen Seite des Spielfelds die gegnerische Mannschaft direkt die rote Karte. Sie warfen ihm unsportliches Verhalten vor. Sowohl im Spiel, als auch in einer demokratischen Regierung – scheinbar wird das oft verwechselt – gibt es klare Regeln: Auf Spieler A folgt Spieler B. Keiner kann für immer alleine spielen – Und keiner kann alle politischen Ämter auf ewig innehaben.

Das kreative Transparent

Die Motive der großen Anti TTIP/CETA-Demonstration vom 10. Oktober 2015 in Berlin waren einfallsreich. Das kreative Transparent findet oft in der Hauptstadt seinen Platz, die so bunt und vielfältig ist, wie die meist transparentfremden Informationsträger selbst. Als Synergieeffekt sah man hierbei wohl auch die wasserabweisende Oberfläche: Im Falle von Angriffen staatlicher Wasserwerfer oder Attacken von herbstlichem Starkregen. Aber es war ein schöner Tag, nichts davon ist eingetroffen. Auch keine transatlantischen Vertragsabkommen.

Das indirekte Transparent

In diesem Beispiel: eine Pressspanwand am Kölner Heumarkt. Sie sollte wohl den Kiosk vor Angriffen schützen, als am 22. April 2017 tausende Bürger am gegenüberliegenden Maritim-Hotel den 6. Bundesparteitag der AfD blockierten. Früh morgens versammelten sich einige Dutzend Antifaschisten vor dem indirekten Transparent, an dem sich damals viele Pressefotografen ergötzten. Eine mir unbekannte Presse hatte allerdings nur mich im Fokus, detektivisch begleitete sie mich den ganzen Tag. Ich ließ sie folglich an meiner fotografischen Erzählung teilhaben – vorurteilsfrei und nur zufällig am rechten Bildrand. Ob ich nun Bestand neurechter Hetzlisten bin, bleibt offen. Seine Fotos, seine Meinung, sein Recht. Ich würde mir allerdings wünschen, auch seine Erzählung veröffentlicht zu sehen. Im Sinne der Meinungsfreiheit und für eine transparente Gesellschaft.

München ist bunt (2010/2019)

Am 08. Mai 2010 wurde ein Nazi-Aufmarsch in Münchner Stadtteil Fürstenried-West von über 4.500 engagierten Bürgern blockiert. Mitveranstalter der Blockade war der damals neu eingetragene Verein München ist bunt!. Den friedlichen Protest hatte ich 2010 mit meiner Kamera festgehalten, woraus ein kleiner Clip entstand, den ich dem Verein spendete.

München ist bunt! ist seit Jahren aus der antirassistischen Bürgerbewegung Münchens nicht mehr wegzudenken; etliche Demonstrationen, Podien, Petitionen und Proteste haben sie initiiert.

Neun Jahre später, am 14. Mai 2019, überreichte Oberbürgermeister Dieter Reiter den Münchner Bürgerpreis für Demokratie – gegen Vergessen an die Vereinsvorsitzende Micky Wenngatz. Herzlichen Glückwunsch Micky, dem Team und danke für euer Engagement seit nun fast 10 Jahren.

Eine Momentaufnahme vom 08. Mai 2010 / 16:9 / Stereo / 2010 / 1 Min. / deutsch

www.muenchen-ist-bunt.de

Paesaggi della Memoria – Auf den Spuren der italienischen Partisanen (2018)

Vor 75 Jahren wurde Italien von Deutschland besetzt. Viele Italiener leisteten Widerstand. Was fühlten die italienischen Widerstandskämpfer und wofür kämpften sie genau? Fragen, deren Antworten weit oben in den Bergen des nördlichen Apennins zu finden sind. Die Begegnungen mit Zeitzeugen und die Eindrücke vor Ort lassen eine Schülergruppe des Berliner Schiller-Gymnasiums nah an den Emotionen vergangener Tage wandern – auf den Spuren der italienischen Partisanen. Und schnell wird klar: Die Vergangenheit ist gegenwärtiger denn je, wenn auch in einem anderen Kontext.

Regie, Kamera, Montage: Christopher Dillig
Produktion: VISION&TRANSFER | media for visionaries
Im Auftrag von: Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin
In Kooperation mit: Museo della Deportazione, Prato / Istituto Istoreco, Reggio Emilia

Dokumentarfilm / 16:9 / Stereo / 2018 / 30 Min. / deutsch, italienisch OmU (DE)

www.ghwk.de (Auftraggeber)
www.visionandtransfer.com (Ausführende Produktion)

Great Again (2017)

Der amerikanische Herbst begann am 09. Oktober 2016. Ein narzistischer Demagoge und Politpopulist wurde Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Konsequenz aus einer nicht stattgefundenen US-amerikanischen Sozialpolitik hat nun einen Namen: Donald Trump.

In seiner Rede zur Lage der Nation am 1. März 2017 predigte Trump die „Reanimation des nationalen Wohlstands“, populistisch und gutmenschlich. Seine neue TV-Show funktionierte, die Einschaltquoten waren enorm. Geladene Gäste der Fernsehsendung waren ein krankes Mädchen, eine aufstrebende Afroamerikanerin, ein Drogenkartellopfer sowie eine trauernde Kriegerwitwe. Die Tränen flossen, die Hände applaudierten. Selbst einem Teil der US-Demokraten fiel am Ende nicht mehr auf, dass sie den Beifall teilten, den sie anfangs noch mit ihren weißen Klamotten – als Zeichen des Widerstands – verweigerten. Eine tolle Dramaturgie, trotz Überlänge. Oder, um es in Donald Trumps Worten zu sagen:
 
A new chapter of american greatness!
 
Alle Welt schaut auf Donald Trump, because America is great again.

(Foto oben aus dem Archiv: Berlin, 2015 / Foto unten: ARD vom 01.03.2017)

KLEINfilme (2015)

KLEINfilme sind kleine Filme. Sie sind keine Kurzfilme, dafür wäre keine Zeit. KLEINfilme sind kreativ, komisch und kritisch. Immer innerhalb des gesellschaftlichen Diskurses. Sie sind einfach, nie besser und immer anders.


KLEINfilm #5 – Nachkriegsbauten in der bunten Stadt
Von Gräben und Grenzen

Idee und Umsetzung: Christopher Dillig
HD / 1:1,78 / Stereo / 2015


KLEINfilm #4 – Freunde der Demokratie
Von Amerika und Anderen

Idee und Umsetzung: Christopher Dillig
HD / 1:1,78 / Stereo / 2015


KLEINfilm #3 – Mahmud der Mehlwurm
Von Medien und Meinungen

Idee und Umsetzung: Christopher Dillig
HD / 1:1,78 / Stereo / 2015


KLEINfilm #2 – Unten gegen Oben
Von Kleinen und Keinem

Idee und Umsetzung: Christopher Dillig
HD / 1:1,78 / Stereo / 2015


KLEINfilm #1 – Couch Potato
Von Wut und Wohlstand

Idee und Umsetzung: Christopher Dillig
HD / 1:1,78 / Stereo / 2015


Recht und Ordnung (2014)

Köln am 26. Oktober 2014. An diesem Tag wurde das Demonstrationsrecht missbraucht. Der Film dokumentiert, beobachtet und verdichtet – ohne Kommentar.

Regie, Kamera, Schnitt: Christopher Dillig
Produktion: menschensbilder Filmproduktion, München

Kurzdokumentarfilm / HD / 1:1,78 / Stereo / 2014 / 4 Min.

Passwort auf Anfrage mit Nennung von Name, Adresse und Email/Telefonnummer