Von Höhen und Tiefen (2019/2020)

Bis 2008 studierte ich in München, anschließend machte ich mich selbstständig. Dabei erlebte ich bewegende und anspruchsvolle Herausforderungen unterschiedlicher Natur.

Der Weg in die Freiheit – als Selbstständiger in der Medienbranche – beinhaltete spannende neue Perspektiven, aber auch steinige Aufstiege. Schweißtreibende Touren und zugleich ergreifende Ausblicke prägten den Alltag. Sicherheiten waren rar, Risiken interessant. Aus bewährten Seilschaften wurden Freundschaften – manche blieben aber auch auf der Strecke. Ich kam an Orte, die ich sonst nie gesehen hätte, traf Menschen, die mir sonst immer fremd geblieben wären – klar, es war bereichernd, es war sehr schön. Aber oft war die Sicht auch so betrübt, dass ein Weitergehen unmöglich schien. Dennoch, ich habe regelmäßig trainiert und es immer wieder geschafft, die Abstiege elegant zu meistern. Angekommen bin ich immer, wenn auch nicht immer dort, wo ich es ursprünglich geplant hatte. Und genau das macht diese freiberuflichen Wanderungen so besonders reizvoll.

Ja, die Selbstständigkeit ist wie das Wandern in den Bergen. Wo und wenn es steinig wird, fängt man an sich zu duzen. Es geht rauf und runter und man konditioniert sich mit den stetig wachsenden Ansprüchen. Der Reiz, den nächsten Gipfel noch heute zu erklimmen, ist groß, aber auch trügerisch. Was, wenn das Wetter vorher umschlägt? Zu selten genießt man den Moment im Hier und Jetzt, weil man sich immer auf die nächsten Schritte konzentrieren muss. Viel spannender ist es allerdings, sich auch mal umzudrehen, innezuhalten und zurückzuschauen, wie viele Täler und welche Gipfel man bisher schon auf seinem Weg zurückgelegt hat.

„All Zeit gut Fuß!“, passt da wohl am besten, als Wunsch für das kommende Jahr. So formulierte es schon Ludwig Graßler – Freund, Protagonist und Mentor meines Films Der Weg war sein Ziel – bevor er 2019 nach schwerer Krankheit von uns gegangen ist. Ruhe in Frieden, lieber Ludwig, und danke, dass du mir die Berge näher gebracht hast. In hektischen Zeiten waren und sind sie seitdem immer ein Zufluchtsort für Geist und Körper. Vielleicht weil die Berge dem kreativen Schaffen, das ich seit vielen Jahren mit Leidenschaft, Anstrengung und Ausdauer betreibe, so ähnlich sind.

All meinen Kolleginnen und Kollegen, Freunden und deren Familien wünsche ich ein gesundes, friedvolles und aussichtsreiches neues Jahr.

(Foto oben: Der Widderstein in den Allgäuer Alpen, 2009 / Foto unten: Blick vom Krottenkopf in Richtung Westen, Oberbayern, 2010)