Der einsame Pendler (2015)

Er pendelt zwischen Sicherheit und Freiheit, zwischen gesellschaftlicher Pflicht und Selbstverwirklichung.

„Alles nur wegen dem Dispo! Aber meine Kinder sollen es mal besser haben“, erwidert er seiner Individualität, ehe er merkt, dass dieser Satz schon die Generation seiner Eltern prägte. Der Leitzins sinkt, die Blasen steigen. Was er davon hat? Zwei weitere Vertragsjahre der schwelenden Ungewissheit innerhalb seines Jobs, indem er jeden Tag freundlich, flexibel und belastbar mitsamt aller Kollegen und Kolleginnen geistig dahinstagniert.

Die sinngestaltenden Perspektiven im postkapitalistischen Zeitalter sind eher dürftig. Eine junge Generation degeneriert in Richtung Zukunft. Gewollt, bewusst und radikal für Veränderung stehend, steht man derzeit schnell in der Kreide, mit der man sich einst das Leben lebenswerter zu malen versuchte.

Der motivierte Kreative passt sich an, am Ende erliegt er der Erschöpfung. Verursacht von Leistungsdruck und obligatorischen gesellschaftlichen Erwartungen. Bis dahin aber pendelt er, weiter und weiter.

(Berlin, 2015)