TeLa 64 (2013)

München, Giesing. Ein Stadtteil, einst Arbeiterviertel und mittlerweile ein bunter Kessel aller Milieus. Die Gentrifizierung, die in München durchaus schwungvoll ein Stadtviertel nach dem anderen mit sich reist, macht auch hiervor nicht halt. Dennoch ging sie hier einen eigenen Weg.

Das Objekt an der Tegernseer Landstraße 64 – kurz TeLa 64 – war vor dem Abriss noch von einer künstlerischen Zwischennutzung besetzt. Vernissagen, Künstlerateliers, Livekonzerte und Videoinstallationen prägten den Alltag – Für viele Viertelbewohner eine absolut fremde Subkultur und doch schnell nicht mehr wegzudenken. Kneipen im Viertel öffneten länger, immer mehr junges Publikum entdeckte das Dorf in der Stadt oberhalb des Nockherbergs. Immobilienbesitzer und Investoren rieben sich schon frühzeitig die Hände, sie erhofften sich einen neuen Spekulationsspielplatz. Sicher doch, dennoch ist der große Reibach ausgeblieben. Ein engagiertes Stadtteilmanagement bot den Bewohnern den Dialog mit den Investoren und Baufirmen, gemeinsam konnte im Diskurs das Viertel mitgestaltet werden – und das auch im Rahmen anderer akuter Bauprojekte. Beispielhaft im positiven Sinne für eine Stadt, die bekannt dafür ist, die bundesweite Mietpreisspirale anzuführen und ihre Bürger kaum in die Stadtentwicklung miteinzubeziehen.

(München-Giesing, 2010 bis 2013)