Erdogone? (2014/2017)

Köln am 24. Mai 2014. Während Recep Tayyip Erdogan seine Landsleute in der Lanxess-Arena auf der rechten Seite des Rheins besucht, tobt linksrheinisch ein Sturm aus 30.000 wütenden Protestlern.

Spätestens drei Jahre später ist diese Kritik berechtigt. Der türkische Präsident Erdogan verwandelt am 16. April 2017 die Türkei in ein präsidiales System, begründet durch einen gescheiterten Putschversuch des Militärs, motiviert durch ein Flüchtlingsabkommen mit Europa und illusioniert von einem patriotisch-religiösem Nationalismus – und es war nur eine Frage der Zeit, wann er zugleich den Parteivorsitz der AKP wieder innehat. Widerstand ist unerwünscht und wird gnadenlos verfolgt.

(Fotos: Köln, 24.05.2014 und 16.04.2017)

Great Again (2017)

Der amerikanische Herbst begann am 09. Oktober 2016. Ein narzistischer Demagoge und Politpopulist wurde Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Konsequenz aus einer nicht stattgefundenen US-amerikanischen Sozialpolitik hat nun ein Gesicht.

In seiner Rede zur Lage der Nation am 1. März 2017 predigte Trump die „Reanimation des nationalen Wohlstands“, populistisch und gutmenschlich. Seine neue TV-Show funktionierte, die Einschaltquoten waren enorm. Geladene Gäste der Fernsehsendung waren ein krankes Mädchen, eine aufstrebende Afroamerikanerin, ein Drogenkartellopfer sowie eine trauernde Kriegerwitwe. Die Tränen flossen, die Hände applaudierten. Selbst einem Teil der US-Demokraten fiel am Ende nicht mehr auf, dass sie den Beifall teilten, den sie anfangs noch mit ihren weißen Klamotten – als Zeichen des Widerstands – verweigerten. Eine tolle Dramaturgie, trotz Überlänge. Oder, um es in Donald Trumps Worten zu sagen:
 
A new chapter of american greatness!
 
Alle Welt schaut auf Donald Trump, because America is great again.

(Foto: ARD vom 01.03.2017)

Weitsicht (2016)

Weit hinter den südlichen Aussengrenzen Deutschlands liegen Länder, die wir nicht wirklich kennen. Eine Zuwanderung von dort bereichert uns an Ideen, Kultur und Menschlichkeit. Die Herausforderungen sind groß – die Chancen näher als jemals zuvor.

Aber der Praxistest unserer abendländischen Moralkonventionen und unserem humanistischen Wertebewusstsein verläuft im Jahre 2016 eher „grenzwertig“. Entgegen dem Gedanken eines weltoffenen Europas formulieren nationalistische Gemüter ihren Widerstand gegen Einwanderung, in Form von neuen Parteien, Verbänden und Bürgerinitiativen – mit großem Erfolg. Die Angst um den Verlust von Sicherheiten und die Angst davor, in einer globalisierten Welt eigene Privilegien zu verlieren, lässt die Menschenwürde plötzlich nur noch als naives Dogma träumender Linksintellektueller im Dunst der Debatten verblassen. Ein bewährtes Ordnungssystem wird herausgefordert, indem fremde Elemente den Algorithmus in Frage stellen – zum Missfallen jener, die immer schon von der alten Ordnung profitierten und denen unter den neuen Vorzeichen die Lösungen fehlen. Aus dieser Blöse entsteht ein Frust, welcher oft reaktionär argumentiert. Dabei werden Ursachen und Gründe für das Zuwanderungsidyll und den Magneten Europa selten reflektiert. Ein tieferer Blick in die Weite der Zusammenhänge – welche uns doch überhaupt erst das Lied vom Wohlstand singen lassen – ist wünschenswert und angebracht.

(Foto aus dem Archiv: Italien, 2011)

Der einsame Pendler (2015)

Er pendelt zwischen Sicherheit und Freiheit, zwischen gesellschaftlicher Pflicht und Selbstverwirklichung.

„Alles nur wegen dem Dispo! Aber meine Kinder sollen es mal besser haben“, erwidert er seiner Individualität, ehe er merkt, dass dieser Satz schon die Generation seiner Eltern prägte. Der Leitzins sinkt, die Blasen steigen. Was er davon hat? Zwei weitere Vertragsjahre der schwelenden Ungewissheit innerhalb seines Jobs, indem er jeden Tag freundlich, flexibel und belastbar mitsamt aller Kollegen und Kolleginnen geistig dahinstagniert.

Die sinngestaltenden Perspektiven im postkapitalistischen Zeitalter sind eher dürftig. Eine junge Generation degeneriert in Richtung Zukunft. Gewollt, bewusst und radikal für Veränderung stehend, steht man derzeit schnell in der Kreide, mit der man sich einst das Leben lebenswerter zu malen versuchte.

Der motivierte Kreative passt sich an, am Ende erliegt er der Erschöpfung. Verursacht von Leistungsdruck und obligatorischen gesellschaftlichen Erwartungen. Bis dahin aber pendelt er, weiter und weiter.

(Foto: Berlin, 2015)

Bratislava und der Wind (2015)

Ein wachsendes Europa hinterlässt seine Spuren: Wie ein Orkan im April, weht der Westwind über die österreichisch-slowakische Grenze. Die auffallenden Brüche in Architektur, Wohlstand und Atmosphäre bestätigen diesen Wandel. Ein paar kurze Blicke in kurzer Zeit.

(Fotos: Bratislava, April 2015)

Heimat und Handel (2015)

Was bedeutet Heimat im europäischen Sinne? Die Pappnasen Rot-Schwarz, eine Gruppe von Attac-Köln und Occupy-Cologne, beantworten diese Fragen mit klaren Ansagen, viel Humor und großer Einsatzbereitschaft, sogar weit über den Kölner Karneval hinaus. Ein Stück Heimat wird verteidigt. Der kölsche Appell gegen Konsum- und Produkthomogenität durch ein globaleres Freihandelsabkommen – auch TTIP genannt. Die aktive Teilhabe an der Demokratie schützt hier vor wirtschaftlichen Abhängigkeiten, unter denen das Individuum mit TTIP zu leiden hätte. Vielleicht auch die authentischere Form des obrigkeitskritischen Karnevals am Rhein – nur zeitgemäßer.

(Fotos: Rosenmontagsumzug, Köln, 16.02.2015)

TeLa 64 (2013)

München, Giesing. Ein Stadtteil, einst Arbeiterviertel und mittlerweile ein bunter Kessel aller Milieus. Die Gentrifizierung, die in München durchaus schwungvoll ein Stadtviertel nach dem anderen mit sich reist, macht auch hiervor nicht halt. Dennoch ging sie hier einen eigenen Weg.

Das Objekt an der Tegernseer Landstraße 64 – kurz TeLa 64 – war vor dem Abriss noch von einer künstlerischen Zwischennutzung besetzt. Vernissagen, Künstlerateliers, Livekonzerte und Videoinstallationen prägten den Alltag – Für viele Viertelbewohner eine absolut fremde Subkultur und doch schnell nicht mehr wegzudenken. Kneipen im Viertel öffneten länger, immer mehr junges Publikum entdeckte das Dorf in der Stadt oberhalb des Nockherbergs. Immobilienbesitzer und Investoren rieben sich schon frühzeitig die Hände, sie erhofften sich einen neuen Spekulationsspielplatz. Sicher doch, dennoch ist der große Reibach ausgeblieben. Ein engagiertes Stadtteilmanagement bot den Bewohnern den Dialog mit den Investoren und Baufirmen, gemeinsam konnte im Diskurs das Viertel mitgestaltet werden – und das auch im Rahmen anderer akuter Bauprojekte. Beispielhaft im positiven Sinne für eine Stadt, die bekannt dafür ist, die bundesweite Mietpreisspirale anzuführen und ihre Bürger kaum in die Stadtentwicklung miteinzubeziehen.

(Fotos: München-Giesing, 2010 bis 2013)

Plakat und Protest (2012)

Widerstände sind mal kreativ, mal plakativ. Mal friedlich, mal radikal. Alle haben jedoch eines gemein: Widerstände sind bewusst – und eben dieses Bewusstsein wollen Sie schaffen. Wider dem passiven Leben.

(Fotos aus dem Archiv: Berlin, Rostock, München / 2007 bis 2012)